An der steirisch-burgenländischen Landesgrenze zwischen den beiden Gemeinden Rudersdorf und Fürstenfeld befindet sich einer der am schönsten erhalten gebliebenen Abschnitte der Lafnitz. In mehreren großen und unregelmäßigen Mäandern durchfließt die Lafnitz den breiten Talboden knapp oberhalb des Zusammenflusses mit ihrem größten Nebengewässer, der Feistritz. Steile Uferbrüche, Schotter- und Sandbänke, durchgehender Uferbewuchs sowie mehrere Altarme kennzeichnen dieses Gebiet. Landwirtschaft wird hier überwiegend noch auf kleinflächigen Äckern betrieben und es gibt auch noch einige Wiesenflächen und kleinere Auwaldreste.
Hans Fronius war nicht nur Lehrer und Kunsterzieher am Fürstenfelder Gymnasium, er war auch weit über die Region hinaus als Künstler geschätzt und widmete "seinen" Lafnitzauen zahlreiche Zeichnungen. Ihm zu Ehren tragen heute die schönsten Aubereiche an der Lafnitz bei allen künstlerisch und naturschutzbewußt denkenden Menschen seinen Namen.
Projekt Lafnitzmäander Bauigel-Gründe
Im Bereich der sogenannten Bauigel-Gründe springt die steiermärkisch-burgenländische Landesgrenze von der Lafnitz nach Osten, daher gibt es hier linksufrig der Lafnitz liegende Flächen die politisch zur Steiermark gehören. Die Ursache für diese Besonderheit geht auf das Jahr 1640 zurück. Damals – die Lafnitz war zu dieser Zeit noch Staatsgrenze zwischen der Steiermark (Österreich) und Ungarn – verlegte die Lafnitz offensichtlich im Zuge eines katastrophalen Hochwasserereignisses ihren Lauf zur Gänze.
Die Lafnitz ist ein Dammuferfluß der sich im Laufe von Jahrzehnten und Jahrhunderten langsam durch Ablagerungen von Sedimenten kleinerer Hochwässer an seinen Ufern über den ihn umgebenden Talboden heraushebt. Bei größeren Hochwässern bricht der selbstgeschüttete natürliche Uferdamm durch und der Fluß verlegt seinen Lauf wieder in die Taltiefenlinie.
Genau das passierte damals und es wechselten große Wiesenflächen nicht nur den Staat sondern auch den Besitzer, was zu längeren Streitigkeiten führte. Ein Teil dieser Flächen wurde später an die Steiermark und die steirischen Besitzer zurückgegeben und bildet heute eben diese sogenannten Bauigel-Gründe.
Im Bereich der Bauigel-Gründe befinden sich heute einige der am schönsten natürlich erhalten gebliebenen Flußschlingen und Mäander der Lafnitz. Als uns im Oktober 1996 der Kernbereich eines dieser Lafnitzmäander zu einem fairen Preis zum Kauf angeboten wurde haben wir sofort zugegriffen. Das mittlere Grundstück in diesem langgestreckten Lafnitzmäander, es ist auf dem Luftbild vom 8. 3. 1997 deutlich zu erkennen, sowie der mit Auwaldgehölzen bewachsene Teil des Grundstückes der sich in Richtung Norden aus dem Mäander herauserstreckt, konnte schon Mitte November 1996 käuflich erworben werden. Die Gesamtfläche dieses Grundstückes beträgt 5.600 m2.
Die finanzielle Grundlage für diesen raschen Ankauf bildete der Jahresbeitrag 1996 unseres Sponsoringpartners Novo Nordisk, die Unterstützung durch die Mitarbeiter der Baubezirksleitung Hartberg und zahlreiche Spenden von Mitgliedern und Förderern. Aufgrund dieser finanziellen Rücklage konnten wir sofort handeln.
Der südliche Bereich des Grundstücks der innerhalb des Mäanders liegt war bisher als Acker genutzt und soll wieder in eine Wiesenfläche umgewandelt werden, der nördliche, vorwiegend mit Weiden bewachsene auwaldartige Bereich wird der natürlichen Sukzession überlassen.
Erweiterungen
Im Februar 1998 ist es gelungen, im linksufrig der Lafnitz – aber dennoch in der Steiermark – gelegenen Mäander ein zweites Grundstück zu erwerben. Das westlich angrenzende Grundstück ist 4700 m2 groß und weist eine über 130 m lange Uferlinie mit der Lafnitz auf. Der Uferbewuchs ist sehr schmal und auf den unmittelbaren Böschungsbereich beschränkt. 1997 wurde die Fläche noch als Acker zum Anbau von Sojabohnen genutzt, 1998 wurde der Acker in eine Wiese umgewandelt und in den kommenden Jahren soll der Uferbewuchs am Lafnitzufer wesentlich verdichtet und verbreitert werden.
Bei einer örtlichen Besichtigung Anfang April 1998 konnten wir zu unserer großen Freude unmittelbar neben diesem Grundstück mehrere Minuten lang einen Eisvogel bei der Jagd an der Lafnitz beobachten. Beobachtungen wie diese belegen den hohen Wert von naturnahen Flußlandschaften.
Im Februar 1999 konnten wir endlich den dritten noch fehlenden "Puzzlestein" im Mäander zu erwerben. Das östliche der drei Grundstücke ist laut Grundbuch zwar über 5.000 m2 groß, ein Teil davon wurde aber bereits von der Lafnitz "übernommen". Der in das Grundstück hineinreichende Lafnitzbogen ist auf dem Luftbild gut erkennbar.
Die gesamte durch diese drei Ankäufe gesicherte Mäanderinnenfläche einschließlich des zu den Grundstücken gehörenden Auwaldes beträgt nunmehr über 1,5 ha. In der Zukunft werden versuchen weitere – preisgünstige – Grundstücke in den Fronius-Auen zu erwerben und damit für den Naturschutz zu sichern.
Neues Projekt im Natura 2000 Gebiet Lafnitztal (2001)
Mit Beitritt Österreichs zur Europäischen Union wurden auch die beiden den Naturschutz betreffenden Gesetzgebungen der EU in Österreich rechts-verbindlich. Es handelt sich dabei um die Vogelschutzrichtlinie ("Richtlinie über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten") aus dem Jahr 1979 und die Fauna-Flora-Habitatschutzrichtlinie ("Richtlinie zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tier- und Pflanzenarten") aus dem Jahr 1993. Ziel ist die langfristige Sicherung natürlicher Lebensräume im Rahmen eines europaweiten Schutzgebietsnetzes mit dem Namen "Natura 2000".
Da in Österreich Naturschutz in die Gesetzgebung der Bundesländer fällt, sind diese auch für die rechtliche und fachliche Umsetzung der Richtlinien zuständig. Detaillierte Angaben über die steirischen Natura 2000 Gebiete finden Sie im Internet unter www.stmk.gv.at/umwelt/luis/NATURSCHUTZ/Flaechenschutz/natura2000/.
Das Natura 2000 Gebiet Lafnitztal – Neudauer Teiche beginnt im Norden bei der Ortschaft Neustift an der Lafnitz und reicht im Süden bis zu den Aus-läufern der Stadtgemeinde Fürstenfeld an der Feistritz. Über weite Bereiche dieses etwa 63 Flußkilometer langen Abschnitts – so leider auch in Burgau – umfaßt das Schutzgebiet nur den Flußkorridor und für den Hochwasserschutz abgelöste Flächen des öffentlichen Wasserguts. Im Norden, etwa in der Gemeinde Unterrohr im Bezirk Hartberg, sind größere Flächen einbezogen und im Süden im Gemeindegebiet von Fürstenfeld die sogenannten Fronius-Auen zwischen der Bahntrasse (Fehring-) Fürstenfeld – Hartberg im Westen, der Feistritz im Süden und der Landesgrenze zum Burgenland im Osten.
Gemeinsam mit der Fachstelle Naturschutz, Rechtsabteilung 6, arbeitet der Österreichische Naturschutzbund, Landesgruppe Steiermark, derzeit an der Erstellung von Management-Plänen für den in der Gemeinde Fürstenfeld liegenden Teilbereich des Natura 2000 Gebietes. Dadurch soll die ökologische Wertigkeit des Gebietes nicht nur erhalten, sondern mittelfristig auch noch gesteigert werden.
Parallel dazu ist es wichtig, zum Verkauf angebotene Grundstücke – gleich ob Wiese, Wald oder Acker – für den Naturschutz zu sichern. Daher wurde das Angebot 2, 7 ha im westlichen Randbereich des Schutzgebietes, unmittelbar am Bahndamm gelegen, käuflich zu einem günstigen Preis erwerben zu können, sofort angenommen.
1,1 ha sind eine mittlerweile wieder stillgelegte Ackerfläche. Vor einigen Jahren wurde hier von einem Pächter leider eine Feuchtwiese umgepflügt. Dies ist umso bedauerlicher, als ganz in der Nähe eine äußerst hochwertige Wiese im Eigentum des ÖNB Steiermark liegt. Diese zeigt sehr schön wie unsere neue Fläche wahrscheinlich noch vor wenigen Jahren ausgesehen hat. In den kommenden Jahren wollen wir gemeinsam versuchen, hier mit auf der ÖNB-Fläche gewonnenem Saatgut eine hochwertige Wiese wiederherzustellen. Die restlichen 1,6 ha sind Erlenwald, entstanden aus Aufforstungen von Wiesenflächen. Eine Verbesserung der Altersstrukturierung und eine Anhebung der Baumartenzahl sind längerfristige Vorhaben für diesen Bereich.
An zwei Stellen beginnen sich Schilfbestände auszubreiten, was die Struktur- und Lebensraumvielfalt ebenso fördert wie ein etwa 2 m tiefer alter Bombentrichter der in feuchteren Zeiten einen kleinen Tümpel beherbergt und von mehreren Birken und einer Eiche umgeben ist.